Die Pille danach

Ich wollte zu dem Thema ja eigentlich nichts mehr schreiben, aber diese Erklärung Bischof Meisners (via) wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten. Ein paar Auszüge:

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.

Bei der Verhinderung der Nidatin sieht es anders aus:

Dass das Abgehen befruchteter Eizellen auch ganz natürlicherweise ohne menschliches Zutun geschieht, berechtigt einen Menschen nicht dazu, diesen natürlichen Vorgang aktiv zu imitieren. Denn die Beendigung eines Menschenlebens durch die Natur nennt man ein Naturereignis. Dessen absichtliche Imitation nennt man Tötung.

Trotzdem gilt natürlich:

Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen und sich dabei unter Berücksichtigung des neusten Stands der medizinischen Wissenschaft in ihrem ärztlichen Handeln an den oben genannten Prinzipien auszurichten.

Und ein Blick in die Geschichte:

Bisher wurde oft davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als „Pille danach“ bezeichnet werden. […] Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Die Kirche muss aber in ihren Einschätzungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer berücksichtigen. […] Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.

Und was ist mit den Enzykliken und sonstigen relevanten Texten:

Die Instruktion „Dignitatis personae“ der Kongregation für die Glaubenslehre vom 8. September 2008 nennt unter den „Interzeptiva“ „die so genannte ,Pille danach‘“, bezieht sich dann aber ausschließlich auf die nidationshemmende Intention […]

Zu betonen ist, dass sich die Erklärung des Erzbischofs von Köln auf die Situation einer Vergewaltigung bezieht und nicht auf die Situation in einer sakramentalen Ehe, die die Enzyklika „Humanae Vitae“ behandelt.

Und den Satz find ich interessant, weil das Beisiel vergewaltigter Nonnen in Diskussionen auch schon aufkam:

Entsprechend hatte auch schon die Glaubenskongregation die Einnahme von Antikonzeptiva durch Ordensschwestern in einer Weltgegend, in der sie Vergewaltigungen fürchten mussten, erlaubt. Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung.

Ich hatte in einigen Diskussionen Vermutungen in die Richtung geäußert, die Meisner jetzt einzuschlagen scheint. Zu hoffen bleibt, daß diese Erklärung jetzt schnell Verbreitung findet, damit nicht wieder ein Opfer auf Hilfe verzichten muß, deshalb hab ich hier auch so ausführlich daraus zitiert.

Und nochmal was ganz anderes, was hier eigentlich gar nicht mehr herpasst, aber trotzdem zur römischen Welt gehört und ebenfalls oft die Gemüter erregt: Die katholische Heirat. Die könne wohl auch unter Berücksichtigung des Glaubens (bzw des Fehlens desselben) annuliert werden, überlegt der Papst. Das sind freilich noch fühe Überlegungen, aber daß sie überhaupt angestellt werden, ist doch schon einmal was.

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5 Antworten zu Die Pille danach

  1. Eso-Policier schreibt:

    Das Christentum muss reformiert oder durch die freireligiöse Bewegung ersetzt werden. Es ist aber richtig, dass die Kirche sich u. a. gegen Homosexualität ausspricht. Mehr dazu auf meinem Blog.

  2. Das Christentum muss reformiert oder durch die freireligiöse Bewegung ersetzt werden.

    Das Christentum ist gut, wie es ist. Ersetzt werden kann es nicht. Entweder es ist wahr, oder es ist unwahr. Ist es wahr, kann es nicht ersetzt werden. Ist es unwahr, braucht es nicht ersetzt zu werden.

    Es ist aber richtig, dass die Kirche sich u. a. gegen Homosexualität ausspricht.

    Korrigiere: Die römisch-katholische Kirche. Soviel Zeit muß sein. Es gibt genug Kirchen, die sich nicht dagegen aussprechen, wobei auch Rom sich nicht gegen die Homosexualität ausspricht, sondern gegen homosexuellen Sex. Rom hat kein Problem damit, wenn jemand homosexuell ist.

    Mehr dazu auf meinem Blog.

    Och, männo. Hättest ruhig hier schreiben können…

  3. Eso-Policier schreibt:

    @ Bundesbedenkentraeger
    Ich kann Ihnen nicht ganz zustimmen. Es gab und gibt insbesondere in der evangelischen Kirche reformerische Strömungen. Man denke z. B. an Dorothee Sölle, die insbesondere nicht an einen absolut allmächtigen Gott glaubte.
    Meiner Meinung nach gibt es nichts außer der Natur. Aber es gibt einen bekannten und einen unbekannten Teil der Natur. Der unbekannte Teil der Natur ist unendlich viel größer, als der bekannte Teil. Aber es gibt keinen persönlichen Gott, und keinen Gott, der sich in einem Jenseits befindet. Wir brauchen ein neues Gottesbild, ähnlich dem Gottesbild Meister Eckharts.

  4. Es gab und gibt insbesondere in der evangelischen Kirche reformerische Strömungen.

    Ja, ecclesia semper reformanda. Das gilt durchaus auch für die Kirce von Rom, ob die es nun wahrhaben wolen oder nicht. Das heißt aber nicht, daß es eine Reform in Richtung Freireligiösität geben sollte.

    Es gab und gibt insbesondere in der evangelischen Kirche reformerische Strömungen.

    Ja, wenn das Deine Meinung ist, ist das okay. Aber wieso sollte dies die offizielle Meinung der Kirche werden?

    Wir brauchen ein neues Gottesbild, ähnlich dem Gottesbild Meister Eckharts.

    Ich postuliere einmal, daß viele Menschen mit s einem Gottesbild recht wenig anfangen könnten. Wozu sollten wir es dann brauchen?

  5. Wolfram schreibt:

    Wer Bilder will, kann sich doch welche malen… (solange nicht Muhammad drauf ist)

    Ob Dorothee Sölle Christin war, wird nebenbei auch kontrovers diskutiert.

    Die Deutschchristen behaupteten von sich auch, das wahre christliche Gottesbild zu vertreten.

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