Gedanken aus der Stille III

Gott beauftragt Mose in Ex 3 damit, Israel aus Ägypten herauszuführen. Diese Aufgabe erscheint Mose einige Nummern zu groß. Kein Wunder, wenn man sich sein bisheriges Leben vor Augen führt: Als Angehöriger eines Knechtvolkes geboren. Am Herrscherhof aufgewachsen. Dann als Verbrecher gesucht. Schließlich Viehhirte seines Schwiegervaters. Kein Wunder, dass Mose da fragt: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe und Israel aus Ägypten herausführe? Dahinter steckt die Frage: Warum ausgerechnet ich? Du, Gott, kennst doch mein Leben. Du weißt doch, was ich für einen tiefen Absturz hinter mir habe – vom Königspalast zu Schafen in der Steppe. Reicht dir das denn nicht, um zu erkennen, dass ich völlig ungeeignet für diese Aufgabe bin? Warum bitteschön ausgerechnet ich??? Gottes Antwort ist kurz und knapp: „Weil ich mit dir sein werde“. Kein Blick mehr auf die Vergangenheit Moses. Kein Abwägen seiner Schwächen gegen seine Stärken. Allein die Tatsache, dass Gott mit ihm sein wird, ist Legitimation genug. Da mag Mose sich schon gefragt haben: Woher weiß ich, dass das stimmt? Woher weiß ich, dass du wirklich mit mir bist – und ich nicht grade nur einen Anfall von Sonnenstich und Größenwahn erleide? Diese Frage steht zwar nicht im Text, aber Mose ist ein hartnäckiger Fragensteller, und die weitere Rede Gottes zeigt, dass er mit dieser Frage zumindest rechnet, wenn er sagt: „Und das soll dir ein Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe“. Endlich, ein Zeichen wird angekündigt, etwas Handfestes – doch noch ehe sich Mose darüber freuen kann, die Ernüchterung: „Wenn du mein Volk aus Ägyptenland geführt hast, werdet ihr opfern auf diesem Berg“. Gott gibt eine Zusage für die Zukunft. Mose wird in der Zukunft erst erkennen, dass Gott ihn jetzt sendet. Gott spricht Mose auf Vergangenes, seine Herkunft an. Er spricht ihn in der Gegenwart an und sendet ihn in die Zukunft. Erst in der Zukunft wird sich Gegenwärtiges als richtig erweisen. Gottes Handeln umschließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es braucht Neugier, sich auf Gottes Handeln einzulassen – Mose hat sie schon gezeigt, als er auf den brennenden Dornbusch zuging.

Mose fragt erst noch weiter, bringt Einwände hervor, warum er garnicht geeignet sei. Doch Gott hält an der Sendung fest. Schließlich übernimmt Mose die Aufgabe. Und nach längerer Auseinandersetzung zwischen Gott, Mose und Pharao verlassen die Israeliten schließlich tatsächlich Ägyptenland. Und nun wiederholt sich in anderen Maßstäben, was sich zuvor ereignet hat. Mose wurde der Weg zu Gott, zu einer Beziehung mit Gott durch den brennenden Dornenbusch gezeigt. In der Wüste nun wird Israel der Weg bei Nacht von Gott durch eine Feuersäule gezeigt. Gott lässt die Menschen nicht orientierungslos herumirren, sondern hilft bei der Orientierung. Gott führt das Volk durch die Wüse – gemeinsam mit Mose. Vorher hütete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro. Schafe und Ziegen sind eine interessante Mischung. Beides sind Herdentiere, doch während Schafe eher dem allgemeinen Herdendrang bzw Gruppendrang folgen, können Ziegen mitunter recht eigenwillig und stur sein – zumindest habe ich das so erlebt. Mose kennt sich also aus mit Gruppen und Eigenwilligkeit. Der Weg durch die Wüste zeigt, dass er dieses Wissen im Umgang mit dem grade aus Ägypten geführten Volk brauchen wird. Immer wieder hadert dieses Volk mit Gott und Mose. Sie sehnen sich sogar zurück nach Ägypten, als sie in der Wüste hungern. Mose hat sie zwar aus dem Land Ägypten geführt, doch mit Kopf, Herz und Magen kehren sie noch immer dorthin zurück, sobald Schwierig-keiten auftauchen. Sie sind noch nicht ganz befreit, noch nicht ganz aus Ägypten herausge-führt. Als sie schließlich nach Wasser dürsten, stellen sie Gottes Anwesenheit in Frage (Ex 17). Gott aber versorgt sie mit Wachteln, Manna und Wasser und führt ihnen auch durch einen siegreichen Kampf gegen Amalek vor Augen, dass er mit ihnen ist (Ex 16-17). Nach der Versorgung mit Nahrung und der Hilfe im Angesicht von Feinden kommen sie schließlich am Berg Gottes an (Ex 18). Jetzt folgt auch das Opfer, das Gott Mose als Zeichen angekündigt hat. Die Beziehung zwischen Israel und Gott bleibt nicht frei von Rückschlägen. Doch ab jetzt wird das Volk Israel nicht mehr wehmütig an die Fleischtöpfe Ägyptens zurückdenken. Jetzt erst ist das Volk Israel ganz aus Ägypten herausgeführt. Und am vollzogenen Opfer erkennt Mose nun im Rückblick: Gott hat seine Zusage, mit ihm zu sein, eingehalten. Er, Mose, war tatsächlich von Gott gesandt, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen – diese Aufgabe hat er nun erfüllt.

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