Das Ferkelbuch

Diese Ferkel suchen höchstwahrscheinlich nicht nach Gott, sondern begnügen sich mit dem Inhalt des Troges.

Es ist schon Jahre her, da hat ein gewisser Atheistenfunktionär ein Buch herausgegeben, das er als „Kinderbuch“ verstanden haben möchte, und das von einem kleinen Schweinchen handelt, das sich af die Suche nach Gott begibt, und natürlich – entsprechend der INtention des Ators – nicht fündig wird.

Eigentlich ist die ganze Aufregung darum lange her, und das Bch eigentlich auch nicht wert, groß wahrgenommen zu werden. Trotzdem wird es immer wieder genannt in Diskussionen, und deshalb möchte ich grndsätzlich aufschreiben, wo ich das Problem des Buches sehe.

Das Problem des Buches ist, daß es sich das Unmögliche zm Ziel genommen hat und dieses Unmögliche als Ideal propagiert. Es geht um die Kritik.

Nun ist Kritik sicherlich keine Unmöglichkeit. Zum Glück ist sie das nicht, auch wäre dieser Artikel hier überflüssig! Aber Kritik bedarf einer gewissen Reife, eines gewissen Entwicklungsstandes. Die Religionskritik des Buches, die in erwachsenen Kreisen möglich ist und sein muß, ist eben erst ab einem gewissen Alter überhaupt erst leistbar und als solche zu verstehen. Kleinere Kinder sind jedoch nicht in der Lage, in solchen Bahnen zu denken. Es verwundert, daß der Pädagoge Schmidt-Salomon dies nicht beachtet.

Um Kritik zu üben, braucht es erst einmal einen eigenen Standpunkt, den kleine Kinder aber erst Stück für Stück ausbilden, indem sie sich an Eltern und Umfeld orientieren.

Eine solche Orientierung wird von „religionskritischer“ Seite gerne als „Indoktrination“ bezeichnet, denn es wird ja nur eine Anschauung vermittelt, eben die der jeweiligen Religion. Dagegen soll dann das Ferkelbuch eben ein kritischer Beitrag sein, ein kritisches Buch, zur Erziehung kritischer Geister. (komischer Weise sind alle hetigen „kritischen Geister“ in ihrer Kindheit ohne dies Buch ausgekommen)

Nimmt man aber das Alter der Kinder, die die Zielgruppe eines Buches wie dem Ferkelbuch sind, dann sind eben jene Kinder zur Kritik nicht fähig, sondern nehmen, wie ihre „indoktrinierten“ Altersgenossen alles ziemlich 1:1 auf, was ihnen vorgesetzt wird. Und das gilt auch für „religionskritische“ Bücher.

Insofern ist es Etikettenschwindel, wenn das Ferkelbuch unter dem Label „Kritik“ verkauft wird, denn es mag so konzipiert sein, es wird aber so nicht wirken können, sondern seinerseits auch nicht über die angebliche „Indoktrination“ religiöser Kinderbücher hinauskommen. Die jeweilige Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.

Interessanter fände ich ein Buch, das nicht negativ vorgeht, und den Kindern erzählt, daß alle anderen Unrecht haben mit ihrer Religion, sondern das eigene Ansichten und Werte in den Mittelpunkt stellt. Damit hätten die Kinder einen eigenen Standpunkt, wenn sie später kritisch vorgehen, und andere Standpunkte mit ihrem eigenen vergleichen. Das Ferkelbuch aber ermöglicht eine solche positive Ausbildung eines eigenen Standpunktes nicht, sondern grenzt nur negativ gegen andere ab. Es beantwortet nicht die Kinderfrage nach dem, was ist, sondern klärt die Kinder über das auf, was (angeblich) nicht ist.

Ich habe Zweifel, ob das für Kinder so hilfreich ist. Ich vermute sogar, daß es hier und da zur gelangweilten Nichtbeachtung kommt, weil eben keine Fragen beantwortet werden, aber viele sich stellen.

Natürlich muß dies so sein, denn der Atheismus oder die „Religionskritik“ ist sich ja nur in dem einig, was sie ablehnt, hat aber kein eigenes einigendes Weltbild. Und wo es dies nicht gibt, kann man es auch nicht in Kinderbücher fassen. Also bleibt man beim Etikettenschwindel und kritisiert weiterhin andere für das, was man selbst macht, wenn auch unter falschem Label. Früher nannte man das Heuchelei, und man vermutete sie oft bei kirchlichen Würdenträgern. Noch ein Punkt in dem die „Neuen Atheisten“ verdächtig nach einer eigenen Religion aussehen…

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3 Antworten zu Das Ferkelbuch

  1. Muriel schreibt:

    Ich kenne das Ferkelbuch zwar nicht und will das auch nicht ändern, aber ein anderer Aspekt interessiert mich: Ab welchem Alter können Kinder denn deiner Meinung nach kritisch denken, und woher kommt diese Erkenntnis?
    Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir vom Himmel erzählte, als ich ungefähr fünf war, und das habe ich schon mal nicht 1:1 angenommen.

  2. bundesbedenkentraeger schreibt:

    Wenn ich mich richtig an meine Pädagogik Veranstaltungen erinner, dann kommt das kritische Denken mit der Pubertät, vielleicht etwas früher. Bis dahin übernehmen Kinder mehr oder weniger das, was man ihnen vorsetzt, was nicht bedeutet, daß sie nicht versuchen würden, widersprüchliche Aussagen zusammenzubringen. Beispiel: Wenn Deine Mutter Dir vom Himmel erzählt hat, Du aber in den Medien oder sonstwo etwas Gegenteiliges gehört hast, dann versuchst Du, da irgendwie nen Sinn reinzubringen. In meinem Fall kann ich mich erinnern, daß ich Probleme damit hatte, zusammenzudenken, woher denn nun die Kinder kommen, weil ich über Kinderfilme etc immer wieder die Geschichte vom Storch vorgesetzt bekam, aber genau wußte, daß meine kleine Schwester aus dem Bauch meiner Mutter gekommen war, bzw bei uns z Hause auch nie etwas anderes erzählt wurde.
    Kritik bedeutet aber nicht, Dinge in Harmonie zu bringen, bzw sich über Disharmonien zu wundern, sondern seinen eigenen Standpunkt aufgrund von Argumenten zu suchen. Und da ist es für Kinder ein wenig hin. Die wenden sich typischerweise erst einmal von alten Vorbildern (Eltern) ab und neuen Vorbildern (Schauspieler, Musiker, Che Guevara,…) zu, um sich abzugrenzen, bevor sie dazu kommen, differenzierter zu denken und Argumente wirklich zu beurteilen.
    Wenn ich meine Notitzen von damals richtig deute, hab ich das vorwiegend hierher:
    Schweitzer, Friedrich (2004): Lebensgeschichte und Reli-
    gion. Religiöse Sozialisation und Entwicklung im Kindes-
    und Jugendalter, 5. Aufl., Gütersloh.
    Da werden mehrere Modelle vorgestellt. Freilich bin ich kein Pädagoge, wir rezipieren die Ergebnisse der Pädagogik vor allem in der Theologie, zumindest was diejenigen betrifft, die „nur“ studieren und nicht in der Religionspädagogik forschen😉 Mir erschien das alles recht plausibel.

  3. Muriel schreibt:

    Hm.
    Ich habe nun keinerlei Ahnung von kindlicher Entwicklung, aber für mich klingt das ausgesprochen unplausibel, weil es meiner Erfahrung widerspricht, was aber natürlich nicht viel heißen muss.
    Vielleicht meinen wir auch nicht ganz das gleiche.
    Ich sollte mich da wohl mal informieren.

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