Tageslosung zum 27.03.2012 (Ps 148, 3.5)

Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! Denn er gebot, da wurden sie geschaffen.

Der heutige Losungstext ist eine Aufforderung zm Gotteslob. Gott soll von Sonne, Mond und Sternen gelobt werden und zwar aus einem bestimmten Grund: Er gebot, dann wurden sie geschaffen. Gott spricht, und was Er sagt, geschieht auch. Gestern hatten wir es davon, daß die Propheten ein Lied davon singen können.

Man kann sich ja heute kaum mehr viel unter „Gotteslob“ vorstellen. Viel mehr stellt sich die Frage: Hat der das denn nötig? Lob erscheint uns als etwas das wir geben, was eigentlich überflüssig ist. Der Gedanke vom Engel, der den lieben langen Tag auf der Wolke sitzt, mit der Harfe und der Hand und Gott Loblieder singt ist den meisten Zeitgenossen doch recht befremdlich. Wieso verdonnert Gott den armen Engel zum Harfendienst? Was muß das doch für ein Großkotz sein!

Lob. Das ist was für Kinder. Ein Kind hat ne Eins geschrieben, und man lobt es, das Selbstwertgefühl soll gestärkt werden, er soll motiviert werden, so weiter zu machen. Das gleiche macht ein Chef vielleicht auch mit einem Angestellten. Ziel: Ebenfalls Motivation. Fernziel: Mehr Profit, selbst etwas davon haben.

Aber ansonsten? Und vor allem: In beiden Fällen gibt es ein Gefälle, der Lobende steht oben, der Gelobte unten. Eine Hierarchie. Wie komisch wäre es, wenn der Chef von seinem Angestellten Lob erwarten würde? Solche Chefs sind doch mindestens unangenehm. Oder wenn Eltern von ihren Kindern Lob erwarten: Ja Mama, das Essen schmeckt… Moment! Das Essen schmeckt?

Würde das nicht bedeuten, die Mutter stünde hierarchisch unter dem Kind, das die Kochkünste lobt? Wäre es vielleicht sogar im Rahmen feministisch-emanzipatorischer Reflektion geboten, solches Lob zu unterbinden? (alternativ könnte man auch den Brauch, daß die Mütter Essen machen angreifen;))

Kind! Das tut man nicht! Deine Elten sind nicht Deine Angestellten! Was denkst Du Dir?

Ich denke es wird klar, daß Lob recht wenig mit Hierarchie zu tun hat. Man lobt auch Fußballer, wenn sie Tore schießen, oder auch wenn sie welche Verhindern (Torwarte), also wenn sie gut spielen. Und das tut man, weil man sich über den Sieg der eigenen Mannschaft freut, nicht weil die Fußballer bei einem angestellt wären und man sie zwecks Profitoptimierung motivieren will. Man lobt auch ganz andere Menschen, wenn man sich freut. Durchaus auch den Chef, manchmal sogar aus Hochachtung Spieler der gegnerischen Mannschaft oder andere Menschen, deren Motivation einem sonst erst einmal nicht am Herzen liegt.

Und Gott? Ändert das jetzt was in Bezug auf Ihn?

Das kommt darauf an. Freuen wir uns über Gott, oder haben wir wenigstens Hochachtung vor seinen Leistungen? Der Losungstext ist etwas verknappt, was die Herrnhter ja öters mal tun. Der Psalm ist voll von Lobaufrufen, aber er hat auch die Begründun in den Versen 5 und 6:

Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. Er lässt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten.

Der Psalmist behauptet, Gott sei derjenige, der alles gemacht hat und bestehen läßt, der eine Ordnng gab, die „sie“ nicht überschreiten dürfen. Sieht man sich den im Losungstext ausgelassenen Vers 4 an, kriegt man einen Hinweis, an wen da wohl vor allem gedacht ist:

Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel!

Man kann vielleicht etwas unfair sagen, früher waren die Menschen noch dankbarer. Als Urzustand betrachteten sie das todbringende Chaos, und sie freuten sich über alles, was ein wenig Ordnung brachte und Glück ermöglichen konnte. Daß es die Welt gab, daß es Menschen geben konnte, die sich an der Welt und ihrem Leben freuen konnten, die glücklich waren, war Anlaß großer Freude. Und damit auch ein Anlaß dafür, denjenigen zu loben, der das alles so gut hingekriegt hatte.

Heute sehen wir das anders. Wir sind verwöhnt vom Wohlstand, wir akzeptieren Gott höchstens noch als Knecht und nehmen als Urzustand die Perfektion an. Überall, wo die Dinge nicht laufen, wie sie sollten, suchen wir einen Sündenbock. Theodizeefrage sei Dank, steht uns dafür Gott immer zur Verfügung. Nur, der ist ja allmächtig, also braucht der ein Lob gar nicht zu erwarten, selbst wenn wir einmal annehmen sollten, Er hätte wirklich mal etwas zu Stande gebracht (und es gäbe keine „wissenschaftliche“ Erklärung – als ob das ein Widersprch wäre!).

Wie soll man den Allmächtigen für besondere Leistungen loben? Gar nicht! Es ist schlicht unmöglich! Der einzige Grund für ein Lob läge in der Freude.

Gott motivieren läuft schon deshalb nicht, weil Er eben nicht unser Knecht ist. Und wenn jemand allmächtig ist, gibt es auch keine besonderen Leistungen mehr, denn das Besondere wird zum Standard.

Die Einzige Möglichkeit die wir haben, ist die Freude. Wo wir Gott nicht als Schöpfer verstehen, wo wir in Ihm nicht den Grund erblicken, wieso wir da sind und überhaupt in der Lage sind, uns zu freuen (trotz allem Leid, das uns widerfährt), wird es keinen Grund für ein Gotteslob geben, weil die dazu nötige Freude an Gott fehlt.

Statt dessen sind wir Gott sauer, weil nicht alles perfekt ist (nach unserer *perfekten* Ansicht), weil Gott das Leid zuläßt, das uns täglich begegnet, wegen Hungersnöten, Erdbeben und Liebeskummer. Selbst wenn wir annehmen, daß es einen Gott gibt, sind wir doch unversöhnt mit Ihm. Und der Punkt ist wichtig! Wir haben ein Problem mit Ihm, nicht umgekehrt!

Was kann man daran ändern? Wie können wir von den verzogenen Perfektionseinforderern zu Menschen werden, die sich am Schönen freuen können, ohne gleich alle möglichen Mängel zu reklamieren?

Dazu bedarf es der Versöhnung. Wir sind in der Passionszeit und gehen auf Karfreitag zu. An diesem Tag, so heißt es, geschah die Versöhnung der Menschen mit Gott. Sie geschah dadrch, daß Gott für uns am Kreuz starb.

Dieser Tod, so heißt es, versöhnt uns nun wieder mit Gott und ist Grund zur Freude (und damit zum Lob). Gott hat als Jesus die Knechtsrolle angenommen, was Er nicht gemußt hätte. Er kam zu uns und zeigte uns, wie wir in der mangelhaften Welt leben können. Er gab uns Hinweise, wie wir mit den größten Mängeln selbst fertigwerden können (Liebet Ere Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen, liebet Eure Nächsten, sorgt für die Armen…).

Danach starb Er am Kreuz, weil die hohe Politik Ihn als Problem wahrnahm (die hohe Politik hat oft andere Pläne als der Rest der Menschen, wobei in der Demokratie wir Wähler die hohe Politik sind) und stand danach einfach wieder auf und zeigte damit, daß Er wirklich Gott ist nd die Macht über den Tod hat.

Damit wird aber auch anderes klar: Nicht wir sind diejenigen, die von Ihm eine perfekte Welt erwarten können. Er ist nicht UNSER Knecht. Vielmehr könnte ER von uns eine perfekte, oder zumindest eine perfektere Welt verlangen. Die Rollen haben sich getauscht.

In der Folge können wir dann froh sein, wenn überhaupt irgend etwas annähernd perfekt ist. Denn da müssen wir nicht ran, und etwas tun. Wo es keine Überschwemmungen gibt, müssen wir keine Deiche bauen. Wo es keine Erdbeben gibt, haben wir auch weniger zu tun. Wo es regnet, müssen wir nicht bewässern. Und wo ein Samenkorn, das man in die Erde steckt zu einer Pflanze wird, die Früchte trägt, brauchen wir uns keine Gedanken darm machen, wie wir sonst an etwas zu essen kommen.

Froh sein! Genau. So haben dann auch wir Grund zur Freude, und Grund zum Lob.

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2 Antworten zu Tageslosung zum 27.03.2012 (Ps 148, 3.5)

  1. Interplanetar schreibt:

    Papier ist geduldig. Hätte, Wollen, Wären, sind drei arme Herren. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Greif mal deinen Gott, schleppp ihn zum Notar, zwecks Siegelung deiner Babeleien.

  2. Ich mach mir Sorgen. Dein kommentar könnte durchaus Sinn ergeben? Geht’s Dir grad nicht gut?

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