Der Mensch und sein Handeln

Werke der Barmherzigkeit

Die Werke der Barmherzigkeit

Was tut man mit einem Vergewaltiger? Was tut man mit einem, der Kinder vergewaltigt hat? Was tut man mit einem Mörder? Mit einem Räuber, Dieb, Drogendealer, Betrüger…?

Einsprerren. Und dann? Rehabilitation. Irgendwie in die Gesellschaft wieder eingliedern. Wenn es geht. Geht das bei dem, der Kinder sexuell mißbraucht und ermordet hat? Welche Gesellschaft sollte den noch eingliedern wollen?

Mit Verbrechern wollen wir nichts zu tun haben. Je schwerer die Straftat, desto mehr hat sich der Täter zeitlebens marginalisiert.

Es mag nun einer sagen: Recht so! Hätt er sich vorher überlegen können. Ja, hätte. Ideal hätte er gar nicht überlegen müssen, sondern von vorne herein eingesehen, daß seine geplante Tat ein Verbrechen und moralisch verwerflich ist. Hat er aber wohl nicht. Und jetzt?

Jetzt haben wir das Problem. Die Gesellschaft. Wir sollen dieses Monster wieder integrieren, ihm eine Chance geben, wieder Tritt zu fassen. Geht’s noch?

Wie kämen wir dazu? Ich meine im Ernst: Wie kämen wir dazu, jemanden, der Kinder mißbraucht hat, in die Gesellschaft wieder aufzunehmen? Ihm eine Chance zuzugestehen, sein Leben in den Griff zu kriegen? Wieso sollten wir ihm einen Job in unserem Betrieb geben. Arbeitslose gibt es genug, unbescholtene Arbeitslose, die ihre Arbeit genauso gut machen oder besser. Und bei denen die Chance geringer ist, daß man einen Verbrecher unterstützt. Ich meine, was, wenn er es wieder tut?

Durch Verbrechen werden Beziehungen zerstört, je schlimmer das Verbrechen, desto schlimmer die Zerstörung im Beziehungsgeflecht. Ein enttarnter Täter steht am Ende immer recht alleine da. Er ist darauf angewiesen, daß diese Beziehungen wiederhergestellt werden. Ein Mensch kann ohne Beziehungen nicht leben. Denn Beziehungen geben Halt und bieten Hilfe, wenn man in Probleme gerät.

Jemand kommt aus dem Knast. Kontakt zu den Freunden abgerissen. Niemand will etwas mit ihm zu tun haben. Familie? Die haben sich auch lange nicht gemeldet. Job? Na der Chef wird wissen wollen, was er die letzten Jahre so gemacht hat.

Allein.

Selbst schuld! Hättest Du…! Wichser, verpiß Dich!

Schmerz.

So einen wie Dich…! Sieh doch selbst…! Nee, Freundchen…!

Schmerz!

Wir haben keine freien Stellen. Wann überweisen Sie die Miete? Fernseher kaputt.

Allein. SCHMERZ. ALLEIN. SCHMERZ!

Alles scheiße. Alles egal. Alles scheiße! Alles egal!

ALLES SCHEISSEGAL!

Denen werd ich’s zeigen!

… und am Ende klicken die Handschellen. Opfer? Ja. Bevor die Polizei ihn fängt, vergewaltigt er 3 Jungs und 2 Mädels, erschlägt einen Vater um zu entkommen.

In der Zelle erhängt er sich.

Wär vielleicht ehrlicher gewesen, ihn gleich zu erschießen. Und besser für die neen Opfer allemal.

Aber das ist unmenschlich! Todesstrafe ist unmenschlich! Daran gibt es nichts zu rütteln.

Was also dann?

Es gibt eine wichtige Unterscheidung, die gemacht werden muß. Diese Unterscheidng ist die Grundlage für alles barmherzige Handeln. Es ist die Unterscheidung zwischen Person und Taten. Nur wenn ich den Täter nicht über seine Taten definiere, sondern auch den Menschen sehe, unabhängig von den Taten (die ich weder ausblenden muß noch soll), ist neue Beziehung möglich, kann ich mitwirken, ihn zu reintegrieren. Wo dies unterbleibt, bleiben Beziehungen ewig geschädigt.

Wo Beziehungen ewig geschädigt bleiben, es also keine Regeneration gibt, aber immer die Möglichkeit, Beziehungen noch mehr z schädigen, fällt die Gesellschaft auseinander, fallen unsere Leben auseinander.

Das gilt nicht nur für Mörder und Vergewaltiger. Es gilt bei allen Taten. Verletzende Taten, egal welcher Art, zerstören Beziehungen. Sieht man nicht darüber hinweg nd dahinter den Menschen, bleiben sie gestört.

So können nur perfekte Menschen auf Dauer Beziehungen führen. Und perfekt ist keiner. Ohne Barmherzigkeit zerbricht die Gesellschaft, geht über kurz oder lang alles zu Grunde. Ohne Vergebung vereinsamen wir. Und vergeben geht nur, wo wir den Menschen sehen.

Und nicht die Tat.

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2 Antworten zu Der Mensch und sein Handeln

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