Tageslosung zum 19.03.2012 (Jer 8, 21-22)

Mich jammert von Herzen, dass mein Volk so ganz zerschlagen ist. Ist denn keine Salbe in Gilead, oder ist kein Arzt da?

Dieser Rede geht die Schilderung voraus, was den Königen Judas und dem Volk Jerusalems widerfahren soll: Grabschändung (Vgl. Jer 8, 1-2) und Zerstreuung des übrigen Volkes, das so leiden wird, dass es sich wünscht, nicht mehr zu leben (Vgl. Jer 8, 3). Ursache dafür ist die Überheblichkeit des Volkes Gottes. Es bildet sich ein, weise zu sein und kennt doch nicht die Rechtsordnung Gottes (Vgl. Jer 8, 4-9). Deshalb wird ihm Unheil widerfahren (Vgl. Jer 8, 10-17).

Das alles muss der Prophet Jeremia dem Volk verkündigen. Die folgenden Verse zeigen, dass er dem Volk mitfühlend gegenübersteht. Aus ihnen entstammt auch die Tageslosung: „Mich jammert von Herzen, dass mein Volk so ganz zerschlagen ist. Ist denn keine Salbe in Gilead, oder ist kein Arzt da?“. Bereits in 8, 14 wird deutlich, dass hier Ausagen des Propheten, nicht Aussagen Gottes, folgen. Vor diesem Hintergrund ist der Bezeichnung „mein Volk“ besondere Beachtung zu schenken. Sie wird zwar meistens von Gott zur Bezeichnung von Israel und Juda benutzt, aber auch zur Bezeichnung Israels und Judas durch Jeremia (Vgl. Jer 23, 2; Jer 51, 45). Durch die Bezeichnung „mein Volk“ solidarisiert sich Jeremia mit dem Volk. Trotz der verheerenden Ankündigungen, die er machen muss, sondert er sich nicht vom Volk ab und distanziert sich nicht, sondern leidet mit an den Folgen ihres Handelns.

Solidarität heißt hier: Auch die Folgen der Fehler anderer mittragen und nicht sagen: Zu denen gehöre ich nicht mehr dazu. Solidarität prägt unsere Gesellschaft, z.B. im Gesundheitssystem oder durch den Solidaritätszuschlag. Gegenwärtig  ist es derzeit auch, wenn von Griechenland die Rede ist. Ob Gesundheitssystem, Solidaritätszuschlag oder Griechenland, immer wieder taucht auch die Frage auf, wie weit Solidarität im Geldbeutel gehen soll. Bei Jeremia geht es um viel grundsätzlicheres. Hier ist die Frage: „Kündige ich, Jeremia, diesem Volk, das sich so gegen Gott stellt und von ihm Leid erfährt, die Solidarität auf, um meine eigene Haut zu retten?“ Jeremia bleibt solidarisch, Israel und Juda sind weiterhin sein Volk. Er kündigt die Beziehung nicht. Doch er weist deutlich auf Mißstände hin und mahnt Veränderungen an. Das ist der Weg, wie Solidarität gelebt werden kann: Die Gemeinschaft nicht kündigen, sondern an ihr festhalten und zu Veränderung mahnen. Auch wenn man darüber streiten kann, ob ein realer Prophet Jeremia das so gesagt hat oder er ein literarisches Produkt ist: Das Prinzip wurde bis heute überliefert, was ein Hinweis darauf sein kann, dass es seine Berechtigung hat.

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2 Antworten zu Tageslosung zum 19.03.2012 (Jer 8, 21-22)

  1. Du bringst politische Aspekte ein. Ich bin positiv überrascht😉

  2. bonifatz schreibt:

    Naja, wenn sich etwas so aufdrängt, kann ich es ja nicht außen vor lassen. Ich bin immer für positive Überraschungen gut😉

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