Das Kreuz

Als Krawallchrist (Religiot ist wohl inzwischen nicht mehr scharf genug und zu abgenutzt als diffamierender Begriff) bin ich vielleicht dazu prädestiniert, mir auch Gedanken zum Kreuz in Gerichtssälen, Schulen und Verwaltngen etc. zu machen. In letzter Zeit hört man ja öfters mal von Gerichtsbeschlüssen, die das Abhängen fordern und Menschen, die das nciht tun, sich dagegen wheren oder sich beklagen, weil die Kreze eben nicht abgehängt werden. Oder kurz: Es ist ein umstrittenes Thema.

Dabei sagt die eine Seite: Das Kreuz ist ein Symbol des Christentums und damit steht es der staatlichen Neutralität entgegen, dieses Symbol in staatlichen Gebäuden aufzuhängen.

Die andere Seite meint: Das Kreuz ist nicht nur Symbol des Christentums, sondern vielmehr Teil der Kultur in Mitteleuropa und Detschland, und daher spricht nichts dagegen, dieses Symbol auch im staatlichen Kontext zu benutzen, ohne die Neutralität zu verletzen.

Persönlich tendiere ich eher dazu zu sagen: Hängt die Kreuze ab. Was hat man denn davon (ob nun als Christ oder als Kulturfetischist) wenn ein Kreuz an der Schul- oder Gerichtswand hängt? Nichts, also wozu der ganze Streß. Hängt die Dinger ab und gut ist. Ich kenne keinen Christen der meint, die Kreuze an der Schulwand für seinen Glauben zu benötigen.

Vor allem die Kulturthese erschien mir völlig irrwitzig, und ich habe mich ach geärgert, daß hier von staatswegen ein christliches Symbol umgedeutet und damit entkernt wird. Doch dann fiel mir etwas auf: Das Kreuz kommt nicht nur an Staatlichen Gebäudewänden vor, sondern auch anderswo. Etwa den Flaggen der skandinavischen Länder, ebenso in mehrfacher Ausführung beim Union Jack sowie den Flaggen der einzelnen Teile des Vereinigten Königreichs (und ich habe sicher einige Staaten vergessen), darüber hinaus auch in vielen Länder- und Kommnalwappen (etwa das Trierer Kreuz oder das Kurkölinsche Kreuz). Auch Fußballvereine haben mitunter ein Kreuz im Wapppen, was schon für Aufregung in islamischen Ländern gesorgt hat. Wobei, eigentlich ist die Türkei ja laizistisch…

Jedenfalls bringt das nochmal eine ganze andere Dimension in die Diskussion. Wenn das Kreuz nur religiöses Symbol ist und nicht ach kulturelles Symbol, müßten hunderte oder tausende Kommunen, Kreise und einige Länder in Detschland (und der ganzen EU?) ihre Wappen ändern. Wenn es aber auch kulturelles Symbol ist, stellt sich die Frage nach der Abgrenzun zwischen den beiden, dem Kreuz auf der Flagge Dänemarks und dem Kreuz an der Wand einer bayrischen Grundschule. Das Ganze könnte noch weitere Kreise ziehen, man denke nr an die Andreaskreuze an Bahnübergängen! Im Ursprung sicherlich christliche Symbole.

Ich bin immer noch der Meinng, man kann die Kreuze in den öffentlichen Gebäuden ruhig abhängen. Ich habe auch weniger ein Problem damit, die Justitia Figuren stehen zu lassen, obwohl es sich hierbei ja auch um ursprünglich religiöse Figuren handelt. Aber ich bin mir bei der Grenzziehung zwischen den Kreuzen in Staatssymbolen und den Schulwandkreuzen nicht mehr so sicher. Was macht ein staatlich verwendetes Kreuz zum Kulturbestandteil, und was verhindert selbiges, wie es im Fall von Gerichtswandkreuzen und dergleichen behauptet wird?

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10 Antworten zu Das Kreuz

  1. Dorothea schreibt:

    Nut, weil du schreibst, dass du keinen Christen kennst, der das Kreuz für seinen Glauben benötigt.
    Das mag so sein, dennoch habe ich es einmal, als ich als wichtige Zeugin (und Opfer) in einem Prozess geladen war, als sehr tröstlich erlebt, dass dort ein wunderschönes Kreuz hing – ich habe es noch sehr genau in Erinnerung, da ich die ganze Zeit darauf geschaut habe. Ich hatte das Gefühl, der HERR selbst ist anwesend.
    Manchmal glaube ich, dass wir gerade im Protestantismus die Gestalt-Werdung des Glaubens immer mehr verleugnen, dezimieren, die Bedeutung von sichtbaren Zeichen. Sie drücken aber doch unsere Hoffnung aus.
    Das Kreuz ist das Zeichen der Versöhnung und in diesem Gerichtssaal hat es, so glaube ich, über die Versöhnung gewacht …

  2. bundesbedenkentraeger schreibt:

    Okay, dann kenne ich jetzt einen😉 Trotzdem: Was Dir das Gefühl der Anwesenheit des HErrn gibt, kann bei anderen ganz andere Gefühle hervorrufen. Unsere Gesellschaft ist halt nicht mehr 100% christlich (und war es auch nie). Daher denke ich ist es angemessen, wenn wir als Christen auf den Trost, den uns das Kreuz gibt, freiwillig verzichten (und es nicht erst gerichtlich verbieten lassen), um den Anderen negative Gefühle zu ersparen.

  3. Dorothea schreibt:

    Was gerade im Gerichtssaal das Besondere ist und warum das christliche Zeichen eben nichts neutrales ist, liegt nicht nur daran, dass es ein religiöses Zeichen ist, sondern auch, dass es etwas ganz bestimmtes bedeutet:
    Es stellt einerseits das vollkommene Opfer da (heißt: man ist als Opfer im Gerichtssaal nicht allein) und zum anderen die Vergebung der Sünden für die Täter. Kein anderes religiöses Symbol ist so sehr mit der Justiz verbunden. Darum finde ich es an dieser Stelle – im Gerichtssaal – als etwas sehr besonderes (positiv oder negativ), weil es für die vollkommene Umkehr der Werte steht.
    Ob es angemessen ist, dass wir als Christen freiwillig darauf verzichten, das mag ich nicht zu beurteilen, gleichwohl halte ich diese Auseinandersetzung für absolut erforderlich. Du kannst es nicht gegenseitig aufwiegen. Denn sicherlich ist das Kreuz sehr vielen, die nicht glauben, auch schlichtweg egal.
    Fazit: Einige identifizieren sich damit kulturell, andere religiös, andere als Opfer oder Täter (selbst ohne den christlichen Glauben ist diese Wirkung möglich und kommt sicherlich vor), wieder andere verbinden negative Gefühle damit und noch anderen ist es egal, ob es dort hängt oder nicht.
    Ich halte deshalb die Diskussion für sehr wichtig, weil man die Parteien gegeneinander nicht aufwiegen kann. Dieser Streit müsste aber die Bedürfnisse und Gefühle aller Beteiligten ernst zu nehmen wissen und nicht auf der Basis einer Neutralität argumentieren, die es nicht gibt. Denn dass Jesus für alle Opfer steht und so in der Verurteilung anwesend ist, ist letztlich auch eine Art des Opferschutzes. (ich weiß, dass das provokativ klingt)
    Wie leicht wäre es, die eine Entscheidung zu treffen, die richtig zu sein scheint. Doch wie so oft, glaube ich, dass wir durch eine im ersten Blick logische Entscheidung so der Auseinandersetzung miteinander, mit der Religion, Kultur und den persönlichen Beziehungen aus dem Weg gehen …

  4. bundesbedenkentraeger schreibt:

    Die Neutralität gibt es. Der Staat ist zur Neutralität verpflichtet. Ich finde, die potentiellen negativen Gefühle (die vor allem aufkommen können bei nem Gottesbild wie in dem Video in andern Artikel) wiegen die positiven Gefühle auf, das wären doch dann positive Gefühle auf Kosten derer, die durch das Kreuz wie auch immer verletzt werden. Gerade im Gerichtssaal. Wir Christen können ja durchaus immer noch unsere eigenen Kreuze in Form vom Schmuck oder Ähnlichem mitnehmen, zur inneren Aufbauung.

  5. Dorothea schreibt:

    Gerade das war mein Punkt. Es geht nicht nur um Christen. Und: Es gibt keine neutralen Räume. Denn gerade sogenannte neutrale Räume können verletzend wirken. Wenn sie nicht einen bestimmten Schutz ausdrücken. Du hast keine Wahl, nahezu jeder Raum wird irgendjemanden verletzen, schon allein durch die Architektur (die z.B. nur die Tradition bestimmter Menschengruppen unserer Gesellschaft aufgreift).
    Du meinst, urteilen zu können, aber du kannst es nicht. Heilung und Verletzung verschiedener Menschen kann man niemals gegeneinander aufwiegen, beides ist sehr wichtig. (vgl. z.B. Täter-Opfer-Ausgleich – auch eine Aufgabe der Justiz).
    Ich spreche mich auch gar nicht für die eine Seite aus, weil ich weiß, dass es nicht so leicht zu entscheiden ist.

  6. Dorothea schreibt:

    PS: Das eigene Kreuz mitzubringen, kann in keinem Fall mit der Kraft verglichen werden, die von außen kommt. Denn gerade indem man sein eigenes Kreuz mitbringt, kommt die Hilfe ja von einem selbst. Wenn es aber im Saal hängt, ist es ein Zeichen von außen, das Zeichen der Würde von Opfer und Täter, unter das sich die Verhandlung stellt.

  7. bundesbedenkentraeger schreibt:

    Ich komm nicht mehr so ganz mit, den Täter-Opfer Ausgleich würde ich da auch nicht mit reinbringen. Tatsache ist, es handelt sich bei KLassenräumen und Gerichtssälen um staatliche Räume, in denen Menschen sitzen, die dazu verpflichtet sind. Einige dieser Menschen erachten das Kreuz, vor allem wenn es sich um ein Kruzifix handelt, als verletzend oder erniedrigend. Manche bekommen den Eindruck, hier werde im Namen eines Gottes über sie Recht gesprochen, an den sie nicht glauben und den sie ablehnen, aus welchen Gründen auch immer.
    Für mich ist das Grund genug, die Kreuze abzunehmen, auch wenn andere sich dadurch getröstet fühlen mögen. Der Staat ist nunmal zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Und dem widerspricht ein Kreuz nunmal eher als eine gewisse Archtitektur, die dann doch noch um einiges klarer der Kultur zuzuordnen ist. Außerdem kann man nicht die Architektur komplett wegnehmen, eine Architektur besteht immer. Das Kreuz allerdings kann man komplett abnehmen und die Wand leer lassen.

  8. Dorothea schreibt:

    Mal abgesehen davon, dass es für mich dezidiert um den Gerichtssaal geht (die Schule wäre noch einmal ein ganz anderes Thema): Wir haben keinen laizistischen Staat. Hätten wir ihn, dann wären die Kreuze schon zu Beginn seiner Verfassung abgenommen worden. Das sind sie aber nicht.
    Dass Kreuze leichter abzunehmen sind als die Architektur zu verändern, ist für mich kein Argument. Weil es der grundsätzlichen Frage aus dem Weg geht.

    Ich verstehe unseren Staat so, dass er gerade auf die Werte, die z.B. durch Religionen, aber auch andere Weltanschauungen, geprägt werden, angewiesen ist. Er bietet nur eine Struktur, in der wir als Volk unseren Staat mitprägen sollen und müssen in einem ständigen Prozess. Damit hat jeder Bürger in der Demokratie eine Verantwortung. Religionen sind eben nicht Privatsache, sondern stehen in der Öffentlichkeit (Religionsfreiheit! nicht nur im stillen Kämmerlein) – wie der Atheismus natürlich auch.
    Dass manche Menschen das verletzt, ist ein bedrückendes Faktum, mit dem man sich wie gesagt auseinandersetzen muss, genau wie auch mit den gegensätzlichen Positionen.
    Kurz gesagt plädiere ich also nicht für eine plötzliche Entscheidung, die mit Blick auf die Geschichte vollkommen haltlos erscheint, sondern für eine Auseinandersetzung, die ihre Zeit braucht. Hilfreich wären vielleicht auch entsprechende wissenschaftliche Studien, Umfragen etc.
    Was du willst, ist letztlich alle Symbole aus der Öffentlichkeit zu verdammen, so weit es geht („praktikabel“ ist) – du hast ja schon das „Dilemma“ mit den Flaggen erwähnt … (!)
    Was ich will oder was ich denke, das für unser Land das Richtige ist, ist eine schrittweise Auseinandersetzung, die Zeit braucht. Eine Auseinandersetzung um Veränderungen, die den heutigen Menschen weitmöglichst in den Mittelpunkt stellt und weder die Wurzeln noch die geschichtliche Veränderung verleugnet.

  9. Dorothea schreibt:

    ps: Wenn du mal Zeit hast – hier ein interessanter Beitrag. Geht nicht direkt ums Kreuz an der Wand, wohl aber um den christlichen Einfluss in der Gesellschaft (v.a. der Feiertage). Interessant v.a. die Sichtweise des Atheisten (Michael Schmitt-Salomon), der auch nicht für die plötzliche, sondern eine schrittweise Veränderung in Form ernsthafter Auseinandersetzung

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7212440plädiert:

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