Ein Weihbischof auf Geisterfahrt

Gestern abend in Hart aber fair traf ein Weihbischof Jaschke aus Hamburg auf ein Opfer sexualisierter Gewalt, Norbert Denef. Arno Widmann von der Frankfurter Rundschau hat die Sendung, bei der auch andere Gäste geladen waren nun kommentiert. Und ich kann ihm in vielen Punkten nur Recht geben. Das ständige Grinsen von Herrn Jaschke war furchtbar. Entweder hier ist ein Bischof total gefühlskalt und zynisch, oder aber er ist sich über sein Wirken in keinster Weise bewußt. In dem Fall ist das dann vielleicht ein allgemein römisches Problem, denn Bischof Zollitsch hat bei der Verlesung der Presseerklärung zu den Mißbrauchsfällen auch nicht gerade so gewirkt, als berühre es ihn innerlich. Ich hoffe zutiefst, daß der einzige Grund in einer gewissen Medieninkompetenz zu suchen ist, und nicht einer Gefühlskälte gegenüber den Opfern.

Das alles bei Seite gelassen bin ich mir noch etwas unsicher, was die Eigenmächtigkeit der römischen Kirche beim Mißbrauchsverdacht angeht. Denn der Kirche wird vorgeworfen, in Zweifel selbst zu entscheiden, ob ein entdeckter Mißbrauchsfall angezeigt wird oder nicht. Nun hat sich Jaschke so geäußert, daß es den Anschein hat, ein Bischof oder sonst eine leitende Figur in der Kirche entscheide darüber, ob die Polizei ermitteln soll oder nicht. Man kann der römischen Kirche viel vorwerfen, wie auch den protestantischen Kirchen. Aber ich finde, man sollte dabei etwas aufpassen. Denn so medieninkompetent wie die Römer sind, so Katholikeninkompetent sind viele Medien. Daß man aneinander vorbei redet ist da quasi schon vorprogrammiert.

Jaschke sagte, es gebe keinen Automatismus bei der Anzeige. Andererseits behauptete er die Kirche weigere sich nicht, die Staatsanwaltschaft zu benachrichtigen. Wie kann das zusammen passen?

Ich kann es natürlich auch nicht mit Sicherheit sagen, ich will aber versuchen, als protestantischer Christ in christlicher Nächstenliebe nachzudenken, ob es eine Möglichkeit gibt, diese Aussagen so zu verstehen, daß es nicht so unglaublich ist, wie es sich anhört.

Und zwar frage ich mich, ob es Fälle gibt, in denen ein Priester oder sonstiger Geistlicher in eine Situation gelangen könnte, die im ersten Moment als fragwürdig gedeutet werden könnte, im zweiten aber auch schnell klärbar ist als absolut harmlos. Etwa wenn er erwischt wird, wie er ein Kind auszieht.

Jetzt kann man sich überlegen wie man reagieren würde: Erst fragen, was da läuft, oder sofort die Polizei rufen? Wie hätte man bei einer Kindergärtnerin gehandelt im gleichen Fall? Wie ist die Situation einzuschätzen, wenn nun die Information dazukommt, daß es sich bei der Kleidung des Kindes um weite Kleidung handelt, in der sich Insekten verfangen können. Was, wenn bei Nachfragen herauskommt, daß das Kind in einen Hornissenscharm geraten war? Was, wenn nun gar herauskommt, daß das Kind auf Hornissenstiche allergisch reagiert, wenn es also in Todesgefahr schwebte? Was, wenn andere Erwachsene in der Nähe waren, und als Mitwisser behandelt worden wären?

Es mag selten vorkommen und ist sicherlich stark konstuiert. Es gibt sicher ähnliche Beispiele. Bei der Forderung, bei einem Verdacht sofort die Polizei einzuschalten und nicht erst kirchenintern zu klären, was vorgefallen ist hätte man den Priester anzeigen müssen. Die Polizei hätte nun die Aufgabe gehabt, die Ermittlungen anzustellen und wären wohl zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Mit einem Unterschied. Die Presse hätte das Wort vom Mißbrauchspriester verbreitet, der Mann wäre, auch bei Nachweis seiner Unschuld immer im Verdacht, doch ein Pädophiler zu sein. Nachrichten von Mißbrauch durch Priester verbreiten sich stärker als Nachrichten von Freisprüchen. Der Priester wäre sein Leben lang gezeichnet.

In so einem Fall kann ich verstehe, wenn es keinen Automatismus gibt, sondern erst einmal nachgefragt wird. Im Zweifel kann immer noch Anzeige erstattet werden. Die Kirche hat hier unter Umständen jeden einzelnen Schritt haarklein aufgeschrieben, denn natürlich geht man ja bei Mißbrauchsverdacht davon aus, daß da mehr und Eindeutigeres war, oder nicht?

Im Zweifel, hätte man den Kindergärtner auch nicht angezeigt. Den Familienvater noch weniger, oder was ist mit dem Sanitäter. Es ist nicht so, daß alles immer von der Polizei geklärt wird. Die Gesellschaft nimmt der Polizei dies ein Stück weit ab. Und das unabhängig davon, ob es nun die Gesellschaft Jesu Christi ist oder die säkulare Gesellschaft. Der Kirche hier etwas anzukreiden, was man selbst höchstwahrscheinlich auch nicht machen würde, müßte man heuchlerisch nennen, falls der Heuchelnde sich der Hintergründe bewußt wäre. Leider sind sich viele Menschen dessen nicht bewußt, und auch die Medien, die hier die Aufgabe der Aufklärung hätten, schärfen das Bewußtsein nicht, sondern lassen um der Quote Willen das Ganze im Ungefähren, wird schon so sein wie man sich das denkt.

Natürlich ist dies nur eine Wunschvorstellung von mir, weil ich hoffe, daß die Kirche Roms sich nicht der Staatsmacht entzieht und (sexuell) gewalttätige Priester deckt. Es fällt mir auch schwer, meinen Geschwistern das zu unterstellen. Wissen kann ich es jedoch nicht. Eine Klärung der Sache durch medienkompetentere Geistliche und katholikenkompetentere Medien wäre zu wünschen, auch wenn es keine Quote bringt.

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